Der Urwald von morgen
Freitag, 15. Juli 2011

Naturschutzbund überlässt den Goddelsberg der natürlichen Entwicklung

VON BERND SCHÜNEMANN

2011-07-15Rhena.Trauerschnäpper am Waldrand, über dem Goddelsberg kreisen Kolkraben: Schon die erste Begegnung mit dem Goddelsberg zeigt, dass dieser Berg etwas Besonderes ist. Oberhalb von Rhena soll dort ein Stück Urwald von morgen entstehen, sagt Thorsten Kleine. Der Rhenaer betreut für die Naturschutzbund-Gruppe Korbach (Nabu) das Gebiet.

2003 hat der Verein das etwa zehn Hektar große Waldgebiet gekauft mit dem Ziel, die Fläche ihrer natürlichen Entwicklung überlassen. Und so liegen dort schon große Buchen, die Stürme umgeworfen haben. Sie bieten einen wichtigen Lebensräume, den es in bewirtschafteten Wäldern nur noch selten gibt: Totholz.

„Totholz ist viel lebendiger, als man denkt“, sagt Thorsten Kleine. Zuerst meißeln Spechte ihre Höhlen in die Bäume. Die werden später – je nach Größe – von Meisen, Dohlen, Fledermäusen und vielen anderen Tierarten besiedelt. Im Innern der Stämme finden auch seltene Insektenarten Lebensraum.

Auch wenn der Verein das Waldgebiet erst vor acht Jahren gekauft hat, gibt es dort schon reichlich Totholz. Das liegt an der Lage des Goddelsberges: Die zum Teil steilen Berghän- ge erschwerten die Bewirtschaftung.

„Der Goddelsberg ist ein Grenzwirtschaftswald“, sagt Kleine. Der Aufwand, um dort Holz zu ernten, ist größer als der Ertrag. Und so stehen dort unter anderem Buchen, die in Wirtschaftswäldern spätestens jetzt eingeschlagen würden. Am Goddelsberg lässt sie der Nabu weiterwachsen.

Für künftige Generationen

Künftige Generationen sollen auch außerhalb des Nationalparks Kellerwald-Edersee Urwald erleben können, sagt Kleine. Mit diesem Ziel hat der Nabu das Waldstück in den Ausläufern des Uplands gekauft. „Auf forstliche Nutzung wird bewusst verzichtet, da alte und abgestorbene Bäume seltenen Tier- und Pflanzenarten Lebensräume bieten“, informiert der Umweltverband auf einem Schild.

Kinder klettern gern in den urigen Bäumen und an den Hängen. Besucher können das Gebiet auf mehreren, zum Teil bergigen Wegen besuchen. Wegen der Naturnähe allerdings auf eigene Gefahr. Darauf weist der Naturschutzbund ausdrücklich hin.

www.nabu-korbach.de

Foto Schünenmann: Buche darf liegenbleiben: Gebietsbetreuer Thorsten Kleine im Urwald von morgen am Goddelsberg Rhena

 


HINTERGRUND

36 Vogelarten brüten im Gebiet

Auf dem Goddelsberg soll sich ein artenreicher Berg- Buchenwald entwickeln, wie er früher als Urwald in Mitteleuropa typisch war. Viele Wälder wurden früher zur Brenn- und Bauholzgewinnung gerodet. Ortsnahe Bauernwälder blieben erhalten. Dort wurden die Bäume auf Stock gesetzt (abgesägt) und als Brennholz verwendet. Die Wurzelstöcke schlugen wieder aus. Deshalb geht Thorsten Kleine davon aus, dass viele große Wurzelstöcke mehrere hundert Jahre alt sind. In dem Gebiet wurden 36 Brutvogelarten festgestellt. Die Naturschutz- Akademie untersucht dort den Bestand der Haselmäuse. (ber)

Quelle HNA vom 15.07.2011